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Die Idee

In Chemnitz gibt es, wie wohl in so ziemlich jeder deutschen Stadt, einige wirklich schlecht überlegte/geplante/ausgeführte Radwege und Straßen, die man als Radfahrer ungern fährt oder sogar meiden sollte. In „Obacht“ (Titel steht noch zur Disposition und könnte sich nochmal rückwirkend ändern) soll es in jedem Teil um jeweils eine für Radfahrer gefährliche Stelle gehen. Vielleicht kennt ihr sie ja – mich würde dann interessieren, wie ihr an der jeweiligen Stelle mit dem Verkehr umgeht, ob ihr es genauso oder ganz anders seht als ich und natürlich, was die Stadt Chemnitz dafür tun könnte, hier Radfahrer besser zu schützen.

Die Stelle: Kreuzung Waisenstraße/Dresdner Straße

Ich komme an dieser Kreuzung durch meinen Arbeitsweg fast täglich vorbei und sie fiel mir immer wieder auf. Als Radfahrer von einem (spärlich angelegten, aber das kann man später mal ansprechen) Radweg kommend, geht dieser auf der Straße in einen Radfahrstreifen mit durchgezogener Linie über – aber nur für etwa zehn Meter. Danach geht dieser wiederum auf Höhe der Ampel in einen Schutzstreifen mit gestrichelter Markierung über und folgt der Kreuzung nach links. Die Fahrbahn ist hier enorm breit und der Schutzstreifen wird weit an den Fahrbahnrand gezogen. Das ändert sich kurz nach der Biegung jedoch schlagartig – die Fahrbahn nimmt Normbreite für zwei Autofahrspuren an. Genau an dieser Stelle endet auch der Schutzstreifen.

Der Wunschtraum: wie es laufen sollte

In einer idealen Welt wissen die Autofahrer, die auf der rechten Spur ebenfalls links abbiegen: Schutzstreifen = dieselbe Fahrspur, auf der ich [der Autofahrer] auch fahre. D.h. Überfahren und Überholen ist, solange es für alle sicher ist (seitlicher Mindestabstand 1,5 m zum Radfahrer innerorts), vollkommen in Ordnung. Und wenn das Ende des Schutzstreifens naht und auf der Spur links neben mir schon etwas fährt, dann muss ich mich erstmal ein paar Sekunden hinter dem Radfahrer einordnen um dann sicher zu überholen.

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Warum dahinter? Nun: der Radfahrer ist rechtlich gesehen auf derselben Fahrspur wie der Autofahrer, die gestrichelte Linie des Schutzstreifens wird weggedacht. Es handelt sich nicht um eine eigene Fahrspur. Ist der Mindestabstand beim Überholen von 1,5 m nicht mehr einhaltbar und der Autofahrer kann aufgrund des Verkehrs die Spur nicht wechseln, dann bleibt ihm nichts anderes übrig, als hinter dem Radfahrer zu fahren, bis er sicher überholen kann.

Die Realität: das kalte Grausen

Biegt man hier als Radfahrer nun links ab, passiert bei ordentlich Verkehr Folgendes: man fährt den Schutzstreifen entlang und kann – da dieser so weit ausholt – sehen wieviele Fahrzeuge hinter einem folgen und eventuell sogar schon abschätzen, wie das Fahrverhalten des nahesten Fahrers sein könnte. Fährt er Vollgas oder eher vorsichtig oder gar unsicher?

Sobald es dann auf die Gerade zu geht, wird es chaotisch: Raser sind hier hoffentlich schon vorbeigedonnert, doch die Unsicheren versuchen auf dem gerader werdenden Stück erst recht zu überholen, obwohl es dafür viel zu kurz ist. Nicht einmal 20 Meter haben sie dafür Zeit, bevor der Schutzstreifen endet und auch so der Abstand zum Überholen viel zu gering würde. Doch das interessiert leider die allerwenigsten. Im allerbesten Fall versuchen manche noch so etwas wie eine Art Reißverschlussverfahren – mit sehr abruptem „Oh, das passt doch nicht so ganz“-Bremsen, mit anschließendem Einordnen und häufigem Drängeln. Da wird dann durchaus auch vom Radfahrer erwartet, dass dieser sich in eine viel zu enge Lücke zwischen zwei Fahrzeugen „hineinbremst“. Wer dann kein e-Bike hat, kann bloß hoffen, dass der Hintermann die Situation einigermaßen gut einschätzt und den Abstand wieder vergrößert.

Wer hier als Radfahrer auf sein Recht pocht, wird irgendwann einmal schlicht von der Fahrbahn gedrängt oder Schlimmeres. Der Kopf muss gehen wie eine Rundumleuchte, um meinen damaligen Fahrlehrer zu zitieren, wenn man unbeschadet hier hinaus kommen möchte.

Mein Tipp: aus dem Weg gehen

Die meisten Radfahrer, die auf diesem Stück hier unterwegs sind, werden wohl auf dem Weg nach Hause auf den Sonnenberg sein oder zum nahen LIDL. Biegt man rechts statt links ab, kommt man über die sehr wenig befahrene Straße „Dresdner Platz“ auf die Sonnenstraße. Von hier kann man sich problemlos weiter durch verkehrsberuhigte Straßen, Plätze und autofreie Durchfahrten weiter über den Sonnenberg verteilen. Folgt man der Biegung der Sonnenstraße in die Hainstraße, kommt man auch ganz problemlos von oben an den LIDL heran und hat durch eine ordentliche Ampelregelung und eine sehr gut einsehbare Kreuzung keine Probleme sicher ans Ziel zu kommen.

Ich fahre mittlerweile ausschließlich den Schutzstreifen entlang, wenn kein einziges Auto auf der rechten Linksabbiegerspur in Sicht ist. Ansonsten fahre ich immer den minimalen Umweg über die Sonnenstraße, durch den man vielleicht 30 Sekunden länger zum LIDL oder zu einem anderen Ziel auf dem Sonnenberg benötigt. Das spart enorm viele Nerven und bringt einen deutlich sicherer ans Ziel.

Was macht ihr?

Wie löst ihr solche Situationen, oder stürzt ihr euch einfach todesmutig in alles hinein? Kennt ihr noch andere Stellen in Chemnitz? Schreibt es gern in die Kommentare – auch Gastbeiträge sind durchaus möglich!

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